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Alkoholgenuss am Arbeitsplatz – was ist zu beachten?

Ein Interview von Max Renger und Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin und Essen.

Bislang konnte in Frankreich der Alkoholkonsum am Arbeitsplatz nicht wirksam verboten werden. Dies hat sich jetzt dahingehend geändert, dass es dem Arbeitgeber gestattet ist, den Konsum von Wein, Cidre oder Bier am Arbeitsplatz zur Vermeidung von Gesundheits- und Unfallgefahren zu untersagen. Wie ist die Rechtslage hier in Deutschland? Der Fachanwalt beantwortet diesbezüglich alle wichtigen Fragen.

Renger: Darf man am Arbeitsplatz Alkohol trinken?

Bredereck: Es herrscht grundsätzlich ein striktes Alkoholverbot in den meisten Betrieben. In dem Arbeitsvertrag, der Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag finden sich diesbezüglich Regelungen. Selbst wenn der Arbeitgeber ab und zu ein Auge zudrücken sollte, würde ich dazu raten, sich strikt an das Verbot zu halten. Diejenigen, die sich nicht darüber sicher sind, welche betrieblichen Regelungen gelten, sollten sich unbedingt von vornerein informieren.

Renger: Wenn es im Betrieb kein ausdrückliches Verbot gibt, ist der Alkoholgenuss einem Arbeitsplatz also zulässig?

Bredereck: Ja, aber man sollte dabei bedenken, welche Auswirkungen der Alkoholkonsum auf die Arbeitsleistung hat.

Renger: Gibt es Ausnahmen vom Verbot bei bestimmten Anlässen, zum Beispiel Fußball-WM oder Geburtstagsfeiern von Mitarbeitern?

Bredereck: Grundsätzlich nicht, aber der Arbeitgeber kann natürlich Ausnahmen gestatten. Man sollte hierbei immer genau prüfen, wer im Rahmen welcher Befugnis Gestattung ausspricht. Stellt der Chef im Kleinbetrieb die Flasche selbst auf den Tisch, darf natürlich zugegriffen werden. In einem großen Unternehmen kann der Abteilungsleiter das generelle Verbot nicht so leicht ohne weiteres aufheben, deshalb sollte im Zweifelsfall lieber verzichtet werden.

Renger: Wie sieht es bei betrieblich veranlassten Feiern aus?

Bredereck: Bei betrieblichen Feiern ist der Alkoholgenuss grundsätzlich erlaubt, da in dieser Zeit keine Arbeitsleistung erbracht wird. Ich empfehle es aber, sich zurückzuhalten. Die durch Alkohol gelockerte Atmosphäre, führte schon des Öfteren zu peinlichen Ergebnissen. Es könnten Dinge ins Rollen gebracht werden, die sich später nachteilig auf das Arbeitsverhältnis auswirken. Versuchen Sie Betriebsfeiern so trocken wie möglich zu überstehen. Behalten Sie stets einen Überblick und trinken Sie lieber in Ruhe zu Hause.

Renger: Was ist, wenn man zwar nicht während der Arbeitszeit hat, aber bereits betrunken zur Arbeit gekommen ist?

Bredereck: Hier gilt das gleiche. Für die Gefährdung des Arbeitsverhältnisses macht es keinen wesentlichen Unterschied, ob man bereits alkoholisiert zur Arbeit kommt oder den Alkohol dort trinkt. Auch eine „Fahne“ sollte man unbedingt vermeiden. Unabhängig von arbeitsrechtlichen Konsequenzen hat man sich schnell einen schlechten Ruf weg.

Renger: Wie sieht es mit einer Alkoholkrankheit aus?

Bredereck: er trotz Alkoholkrankheit ordnungsgemäß seine Arbeit verrichtet und auch nicht angetrunken zum Dienst erscheint, hat nichts zu befürchten. Anderes mag gelten, wenn der Arbeitgeber von der Alkoholkrankheit erfährt. Umgekehrt kann einen das Berufen auf eine Alkoholkrankheit sogar vor einer Kündigung schützen. Voraussetzung ist allerdings, dass man bereit ist Abhilfe zu schaffen, insbesondere eine Entziehungskur zu machen.

Renger: Wie lautet also zusammengefasst der Tipp des Arbeitsrechtlers zum Thema Alkohol und Arbeitsplatz?

Bredereck: Jedwede Kombination sollte unbedingt vermieden werden.

Berlin, den 15.7.2014