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E.on: Belegschaft wegen Unklarheit über betriebsbedingte Kündigungen unter Druck

Unklarheit bei E.on über betriebsbedingte Kündigungen verunsichert Belegschaft. Über die arbeitsrechtlichen Konsequenzen berichten Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck und Rechtsanwalt Dr. Attila Fodor, Essen.

Der Spiegel berichtet in seiner Ausgabe vom 24.10.2011, dass bei E-on Ruhrgas in Essen immer noch keiner genau weiss, wann wie viele Arbeitnehmer entlassen werden sollen. Mehr als 2 Monate, nachdem die Öffentlichkeit darüber informiert wurde, dass bei E.on wohl 11.000 Stellen wegfallen, sind konkrete Pläne hierzu immer noch nicht bekannt. Ein untragbarer Zustand für die Mitarbeiter des Energieriesen. Der Spiegel berichtet über fatale Folgen dieser Unklarheit. Hochqualifizierte Mitarbeiter würden sich von E.ON trennen. Andere Arbeitnehmer seien bei E.on damit beschäftigt – so der Spiegel – den eigenen Arbeitsplatz so gut wie es geht, zu sichern, anstatt sich um die eigentlichen Aufgaben zu kümmern.

Eine solche Situation ist erfahrungsgemäß ein idealer Nährboden für Mobbing. Unter den für eine Änderungskündigung oder betriebsbedingte Kündigung in Frage kommenden Mitarbeiter lastet immer hoher Druck. In diesen Situationen wird so manch ein Arbeitnehmer von anderen angefeindet oder unter Druck gesetzt. Die Schikane kann in Einzelfällen soweit gehen, dass ein Fall des – arbeitsrechtlich untersagten – Mobbings vorliegt. 

Die Rechtsprechung geht von Mobbing aus, wenn ein Arbeitnehmer – vereinfacht gesagt – durch eine Reihe von Anfeindungen oder Demütigungen gezielt fertig gemacht wird, bis er entweder die Abteilung wechselt, Krank wird oder schlechtere Arbeitsleistung erbringt und dadurch mit dem Arbeitgeber Schwierigkeiten bekommt. 

Ein gemobbter Arbeitnehmer hat Anspruch auf umfassenden Schutz des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber kann sogar verpflichtet sein, den aggressiven Arbeitnehmer, der andere mobbt, abzumahnen und – wenn dies nicht hilft – den besonders widerspenstigen Arbeitnehmer verhaltensbedingt oder in schweren Fällen sogar fristlos zu kündigen. Der gemobbte Mitarbeiter hat Anspruch auf Schadensersatz gegen den Arbeitgeber, wenn er nicht wirksam vor dem Mobbing geschützt wird.

Arbeitnehmertipp vom Fachanwalt: In Mobbingfällen haben sich Mobbingtagebücher bewährt. Notieren Sie genau, wer was wann zu Ihnen oder über Sie gesagt hat. Versuchen Sie, bei mobbingrelevanten Situationen Zeugen dabei zu haben. Dokumentieren Sie beleidigenden oder demütigenden Schriftverkehr (etwa Emails oder sms), indem Sie ihn speichern und/oder ausdrucken. Lassen Sie sich beraten, wann Mobbing vorliegt und wann lediglich – um die Rechtsprechung zu zitieren – sozialadäquates Verhalten (wie in einer Ellenbogengesellschaft) vorliegt. 

Arbeitgebertipp vom Fachanwalt: Sie müssen nicht jeden mauligen Mitarbeiter deswegen abmahnen. Wenn in Ihrer Firma gemobbt wird, sollten Sie allerdings besser schnell handeln, da Sie sonst beträchtlichen Schadensersatzforderungen des gemobbten Mitarbeiters ausgesetzt sein könnten. In Zeiten des burn-out führt Mobbing nicht selten zu langwierigen Erkrankungen. Ihr Schaden: Ein langzeiterkrankter Arbeitnehmer, der Sie darüber hinaus auch noch wegen Mobbings auf Schadensersatz im 5-stelligen Bereich verklagt.