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Hitzefrei: Arbeitnehmer haben keinen Anspruch auch bei hohen Temperaturen

Fachanwalt Arbeitsrecht Essen

Ein Kommentar von Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht Berlin und Essen.

Wenn im Sommer die Temperaturen ansteigen, fragen sich viele Arbeitnehmer, ob es für sie einen Anspruch auf Hitzefrei gibt oder ob sie zumindest vom üblichen Dresscode abweichen dürfen. Darüber stellt sich etwa die Frage, was man bei gesundheitlichen Problemen aufgrund der Hitze beachten sollte.

Rechtsanwalt Bredereck zur gesetzlichen Grundlage:

Einen Anspruch auf Hitzefrei gibt es für Arbeitnehmer auch bei hohen Temperaturen nicht. § 618 Abs. 1 BGB schreibt dem Arbeitgeber zwar vor, seinen Arbeitsplatz so auszugestalten, dass der Arbeitnehmer vor gesundheitlichen Gefahren geschützt ist. Hier man aber stets die Natur des Arbeitsverhältnisses mit berücksichtigt werden. Das Arbeitsschutzkonkretisiert diese Vorgabe noch einmal. Daraus lässt sich aber ebenfalls nicht ableiten, dass der Arbeitnehmer von seiner Arbeit befreit ist, wenn entsprechende Temperaturen nicht eingehalten werden.

Fachanwalt Bredereck: Natur des Arbeitsverhältnisses maßgeblich

Für die Ansprüche des Arbeitnehmers kommt es entscheidend auf die Natur des Arbeitsverhältnisses an: Ein Arbeitnehmer etwa, dessen Tätigkeit etwa darin besteht, in der Sauna Dampf zu wedeln, muss auch Temperaturen von über 100° ertragen. Dafür muss er dann aber wiederum auch entsprechend Zeit zur Erholung bekommen.

Generell gilt: Arbeiten trotz Hitze ist Pflicht

Auch wer normalerweise nicht höheren Temperaturen ausgesetzt ist, hat keinen Anspruch auf Hitzefrei. Der Arbeitgeber muss ihm zumutbare Vorsorgemaßnahmen treffen, der Arbeitnehmer muss trotz der Hitze arbeiten.

Arzt aufsuchen bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen

Wer aufgrund der hohen Temperaturen gesundheitliche Beeinträchtigungen befürchten muss (zum Beispiel aufgrund einer Herzerkrankung oder generellen Kreislaufschwierigkeiten), sollte hierüber den Arbeitgeber informieren und rechtzeitig einen Arzt aufsuchen. Hier gilt grundsätzlich dasselbe wie bei sonstigen Erkrankungen: wenn der Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, die geschuldete Arbeitsleistung zu erbringen, muss er krankgeschrieben werden. In diesem Fall ist die Verpflichtung zur Erbringung der Arbeitsleistung suspendiert.

Rechtsanwalt Bredereck: Dresscode grundsätzlich einhalten

Es empfiehlt sich auch trotz der Hitze den in der Firma bestehenden Dresscode einzuhalten. Lockerungen sollte man unbedingt mit dem Vorgesetzten besprechen. Man sollte sich außerdem an dem Erscheinungsbild der übrigen Kollegen orientieren. Arbeiten alle mit Anzug weiter, sollte man dies ebenfalls tun. Wer hier als schwarzes Schaf aus der Reihe tanzt, macht sich zum Kündigungskandidaten. Häufig werden solche Kündigungen nicht wegen der Verletzung des Dresscodes ausgesprochen, das wäre wohl auch unwirksam. Die Kündigung folgt dann zu einem späteren Zeitpunkt, mit arbeitsrechtlich besser verwertbarem Anlass.

2.7.2015

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