Fachanwalt Arbeitsrecht ++ Essen ++ Arbeitsrecht Rechtsanwalt Essen ++ Arbeitsrecht Anwalt Essen ++ Rechtsanwälte ++ Anwaltskanzlei Essen

Fristlose Kündigung – Erfordernis der Abmahnung

Fachanwalt Arbeitsrecht Essen

Ein Artikel von Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht Berlin und Essen.

Das Fehlen einer Abmahnung ist immer wieder Grund für die Unwirksamkeit einer fristlosen (und hilfsweise erklärten ordentlichen) verhaltensbedingten Kündigung. Aus der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes ergibt sich, dass nur in Ausnahmefällen eine Abmahnung entbehrlich ist.

Das Bundesarbeitsgericht: Nach dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz ist eine Kündigung nicht gerechtfertigt, wenn es mildere Mittel gibt, eine Vertragsstörung zukünftig zu beseitigen. Einer Abmahnung bedarf es in Ansehung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes nur dann nicht, wenn eine Verhaltensänderung in Zukunft selbst nach Abmahnung nicht zu erwarten steht oder es sich um eine so schwere Pflichtverletzung handelt, dass eine Hinnahme durch den Arbeitgeber offensichtlich - auch für den Arbeitnehmer erkennbar - ausgeschlossen ist (BAG, Urteil vom 24. März 2011 – 2 AZR 282/10 –, juris).

Abmahnung ist grundsätzlich erforderlich:

In der Regel ist also die Abmahnung erforderlich. Bei fristlosen Kündigungen ohne vorherige Abmahnung sind Arbeitsgerichte also oftmals erstmal misstrauisch.

Entbehrlich, wenn keine Änderung des Verhaltens zu erwarten:

Die Abmahnung soll aber nicht nur um ihrer selbst willen ausgesprochen werden. Daher kann auf eine Abmahnung verzichtet werden, wenn eindeutig klar ist, dass der Arbeitnehmer sein Verhalten nicht ändern wird. Hier bestehen jedoch Schwierigkeiten eindeutig festzustellen, wann dies der Fall ist. Auch bei einer ausdrücklichen Erklärung des Arbeitnehmers, er werde genauso weitermachen wie bisher, ist nicht unbedingt gesagt, dass er an seinem Verhalten auch noch nach einer Abmahnung festhalten würde.

Entbehrlich bei besonders schwerwiegenden Pflichtverletzungen:

An eine besonders schwerwiegende Pflichtverletzung – und damit die Entbehrlichkeit der Abmahnung – ist immer dann zu denken, wenn der Arbeitnehmer durch sein Verhalten dem Arbeitgeber „an den Geldbeutel geht“. Eine entsprechende Fallkategorie stellen sämtliche vermögensrechtlichen Straftaten (Diebstahl, Betrug, Untreue) gegenüber dem Arbeitgeber dar. In diesen Fällen ist eine fristlose Kündigung grundsätzlich auch ohne Abmahnung wirksam. Streitig sind immer die Fälle, in denen es um besonders geringe Nachteile für den Arbeitgeber geht. So hat es in der Vergangenheit Kündigung wegen Stromdiebstahl gegeben, weil der Arbeitnehmer sein Handy im Betrieb aufgeladen hat. Auch wenn die Arbeitsgerichte hier gelegentlich Großzügigkeit walten lassen: Arbeitnehmer sollten in diesem Bereich besonders penibel sein. Stellen Sie sich einfach vor, Sie wären der Arbeitgeber. Würden Sie nicht auch glauben, dass jemand der Ihnen kleine Dinge stiehlt, sie belügt oder betrügt, dies möglicherweise auch in anderen Bereichen oder hinsichtlich wertvollere Dinge unternimmt?

Fachanwaltstipp Arbeitgeber:

Der Ausspruch einer fristlosen Kündigung ohne vorherige Abmahnung, ist besonders riskant und nur für den Ausnahmefall und nach gründlicher vorheriger Prüfung empfehlenswert. Vergessen Sie nicht, dass ein Kündigungsrechtsstreit häufig mit schwer zu beweisenden Tatsachenvorwürfen einhergeht und dass Arbeitsrichter zumindest in der ersten Instanz Beweisaufnahmen sehr zögernd gegenüberstehen. Wegen des Beschleunigungsgrundsatzes wollen sie möglichst schnell zu einem Urteil kommen. Langwierige Zeugenvernehmungen stehen dem entgegen. Wenn Sie nun formale Fehler, wie den Ausspruch einer Kündigung ohne Abmahnung begehen, liefern Sie dem Richter eine Steilvorlage für eine einfache und zügige Begründung seines Urteils. Dieses wird natürlich nicht zu Ihren Gunsten ausfallen.

Fachanwaltstipp Arbeitnehmer:

Arbeitnehmer sagen mir oft, dass sie sich bei ihrem eindeutig vertragswidrigen Vorgehen keiner Schuld bewusst gewesen seien. „Das haben doch alle so gemacht“, lautet eine häufige Entschuldigung. Das hilft Ihnen im Zweifel nichts. Zum einen kann das Verhalten der anderen oft nicht bewiesen werden und zum anderen wird Ihr eigenes Verhalten dadurch meistens nicht in einem anderen Licht erscheinen. Eine große Arglosigkeit beobachte ich gerade im Bereich des Arbeitszeitbetruges. Arbeitnehmer sind zwar im Betrieb anwesend, beschäftigen sich aber während der Arbeitszeit mit privaten Dingen. Die Folge ist, dass der Arbeitgeber die Arbeitsleistung bezahlt, ohne sie zu bekommen. Das führt zu einem Vermögensschaden beim Arbeitgeber, den der Arbeitnehmer durch eine vorsätzliche Tat verursacht hat. Hier liegt einer der seltenen Fälle vor, wo eine Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung wirksam sein kann. Auch der Diebstahl geringwertiger Gegenstände des Arbeitgebers, zum Beispiel das Mitnehmen von Büromaterial, kann eine solche fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen.

15.10.2014

Spezialseite Kündigungsschutzklage für Arbeitnehmer: Hier können Sie prüfen, welche Erfolgsaussichten einer Kündigungsschutzklage in Ihrem Fall bestehen und wie die Aussichten sind, mit einer Kündigungsschutzklage entweder den Bestand des Arbeitsverhältnisses zu sichern oder eine gute Abfindung zu erzielen. Sie finden Formulare für eine Kündigungsschutzklage mit Ausfüllhinweisen. Es folgt eine ausführliche Darstellung des Ablaufs des Kündigungsschutzverfahrens mit Praxistipps für das Verhalten vor dem Arbeitsgericht. Des Weiteren finden Sie ein Muster für einen Aufhebungsvergleich mit typischen Formulierungen und Hinweisen zum Ausfüllen. Sie können zudem auf Muster für Widersprüche gegen Sperrzeitanordnungen der Bundesagentur für Arbeit und Kostenbeispiele zugreifen. Das besondere Angebot: Der Onlinecheck für Ihre Kündigung zum Preis von 50 € zuzüglich MWST.

Das alles hier: www.kuendigungsschutzklage-anwalt.de

Spezialseite Kündigung für Arbeitgeber: Hier finden Sie umfassende Informationen über Ihre Möglichkeiten, einen Arbeitnehmer zu kündigen. Wann besteht Kündigungsschutz? Sie finden Musterkündigungen mit Ausfüllhinweise. Daneben gibt es umfassende Informationen zur Betriebsratsanhörung und ein Musterformular mit Ausfüllhinweisen. Wir stellen den Ablauf des Kündigungsschutzprozesses dar und geben Beispiele für einen gelungenen Vortrag im Verfahren zu den jeweiligen Kündigungsgründen. Des Weiteren können Sie auf ein Muster für einen Aufhebungsvergleich mit typischen Formulierungen und Hinweisen zum Ausfüllen zugreifen. Das besondere Angebot: Der Onlinecheck für die von Ihnen vorbereitete Kündigung zum Preis von 250 € zuzüglich MWST.

Das alles hier: www.arbeitgeberanwalt-kuendigung.de