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Vorstellungsgespräch: Beginn eines Arbeitsverhältnisses?
Handschlag

Arbeitsrecht im Vorstellungsgespäch: Welche Fragen sind zulässig?

Essen, Fachanwalt für Arbeitsrecht:

Es besteht bei Vorstellungsgesprächen oft auf beiden Seiten eine gewisse Unsicherheit und Unwissenheit, welche Fragen der Arbeitgeber einem Bewerber stellen darf und auf welche Fragen dieser wahrheitsgemäß beantworten muss oder wann er sogar lügen darf.

  • Eine Frage ist dann zulässig, wenn der Arbeitgeber ein berechtigtes, billigenswertes und schutzwürdiges Interesse an der wahrheitsgemäßen Beantwortung der Frage hat.

    • Deshalb sind nur Fragen zulässig , die in direkten Zusammenhang mit der zu besetzenden Stelle stehen, im Allgemeinen also Fragen, die auf die Arbeitsfähigkeit und die Eignung des Bewerbers abzielen – beispielsweise Fragen nach Schulabschlüssen und Berufserfahrung.

  • Fragen, die die persönliche Sphäre betreffen, beispielsweise Fragen nach einer Behinderung oder Sexualität sind unzulässig. „Sind Sie noch Jungfrau?“, „Sind Sie schwanger?“, „Wie oft beten Sie?“, „Gab es in Ihrer Verwandtschaft Selbstmorde?“, „Welche Partei wählen Sie?“, „Sind Sie HIV-positiv?“, „Schauen Sie gerne gewaltverherrlichende Filme?“ – all das sind unzulässige Fragen.

    • Auf diese Fragen muss der Bewerber auch dementsprechend nicht wahrheitsgemäß antworten.

  • Kommt es nun zu einem Abschluss eines Arbeitsvertrages und danach stellt sich heraus, dass der Bewerber eine zulässige Frage absichtlich falsch beantwortet hat, kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag aufgrund arglistiger Täuschung anfechten.
  • Das kann der Arbeitgeber auch, wenn Tatsachen verschwiegen wurden, die entscheidend für die Einstellung sind – und für die Arbeitsstelle von großer Wichtigkeit ist. Zwei Beispiele: Ein Kraftfahrer, der nicht angibt, dass er zur Zeit der Einstellung ein Fahrverbot hat und deshalb die Tätigkeit gar nicht ausüben darf. Oder ein Bankangestellter, der eine Vorstrafe wegen eines Vermögensdeliktes verschweigt.