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Rewe muss 17.000 € an vermeintliche Praktikantin nachzahlen - die Problematik der arbeitnehmergleichen Beschäftigung vermeintlicher Praktikanten

Ein Kommentar von Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht Berlin und Essen, zum Urteil des Arbeitsgerichts Bochum zum Aktenzeichen 2 Ca 1482/13).

Ausgangslage:

Es ist heutzutage leider üblich, Praktikanten in gleicher Weise wie „normale“ Arbeitnehmer zu beschäftigen. Dies hat oftmals zur Folge, dass dann die Arbeitsleistung und nicht mehr die Ausbildung der betroffenen Person im Vordergrund steht. Dann handelt es sich jedoch nicht mehr um ein Praktikum, der vermeintliche Praktikant ist vielmehr Arbeitnehmer. Als Arbeitnehmer hat man unter anderem einen Anspruch auf Vergütung sowie zahlreiche weitere Rechte (z.B. Urlaub, Sonderzahlungen, Überstundenvergütung, ggf. Kündigungsschutz etc.). Folglich kommen Praktika in bestimmten Tätigkeitsbereichen nur für eine begrenzte Zeit in Betracht. Wenn ein Praktikant nämlich mit dem Einräumen von Regalen beschäftigt ist, wird er diese Tätigkeit auch bei geringem geistigem Leistungsvermögen nach kurzer Zeit erlernt haben. Eine Weiterbeschäftigung zu Ausbildungszwecken kann in der Folge schon allein aus logischen Erwägungen nicht mehr erfolgen oder jedenfalls nicht mehr im Vordergrund stehen. Darum lässt sich festhalten, dass jeder, der ein Praktikum als Regaleinräumer für längere Zeit als ein paar Tage absolviert, eigentlich Arbeitnehmer ist und die genannten Ansprüche folglich auch gerichtlich vor dem Arbeitsgericht durchsetzen kann.

Fall:

Pressemitteilungen zufolge ist der Betreiber eines Rewe-Marktes vom Arbeitsgericht Bochum zur Nachzahlung von 17.000 € für über 1700 Stunden an eine vermeintliche Praktikantin verurteilt worden. Diese hatte bei Rewe ein so genanntes „Schnupperpraktikum“ absolviert. Dabei liegt es jedoch auf der Hand, dass keine 1700 Stunden nötig sind, um angelernt zu werden. In einem solchen Fall können Praktikanten, die dann ja eigentlich Arbeitnehmer sind, die übliche Vergütung verlangen, was hier offensichtlich auch geschehen ist.

Fachanwaltstipp Arbeitnehmer/Praktikanten:

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Praktikum möglichweise nicht als ein solches zu qualifizieren ist, sollten Sie die Lage rechtlich überprüfen lassen. Mir sind in der Praxis schon häufig Fälle begegnet, in denen es sich ganz offensichtlich nicht um ein Praktikum handeln konnte. Gerade wenn eine sehr leicht zu beherrschenden Tätigkeit vorliegt, kann ein Praktikum der Natur der Sache nach nur sehr kurze Zeit andauern. Dauert es dann doch länger, ist es sehr wahrscheinlich, dass als Arbeitnehmer Ansprüche durchgesetzt werden können. Andererseits sollte man sich als Praktikant aber auch nicht überschätzen und es sich durch vorschnelle Reaktionen mit seinem Praktikumsleiter verscherzen.

Fachanwaltstipp Arbeitgeber:

Abgesehen davon, dass wie im vorliegenden Fall der Firma REWE ein enormer Imageschaden entsteht, ist ein Missbrauch des Praktikums auch wirtschaftlich riskant. In Fällen wie dem vorliegenden schuldet der Arbeitgeber nämlich die übliche Vergütung. Demgegenüber sind im Rahmen eines Arbeitsvertrages auch Vergütungen wirksam vereinbar, die unter der üblichen Vergütung liegen.

28.3.2014

Ein Beitrag von Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck, Berlin und Essen.

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