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Was haben Arbeitnehmer während der WM 2014 zu beachten?

Ein Interview von Max Renger mit Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin und Essen.

Es ist wieder so weit – ganz Deutschland ist im Fußballfieber. In der vergangenen WM stellte man sich überwiegend die Frage, inwieweit man als Arbeitnehmer während der Arbeitszeit die Fußballspiele verfolgen dürfe. In dieser Fußball-Weltmeisterschaft liegt das Problem ganz woanders. Diesmal werden die Spiele zu einer Zeit ausgetragen, bei der die meisten Arbeitnehmer schon längst Feierabend haben. Insbesondere bei den Spielen, die bis mitten in der Nacht hineinreichen, stellt sich die Frage, inwiefern die Arbeit am folgenden Arbeitstag dadurch beeinflusst wird.

Max Renger: Viele Arbeitnehmer können die Spiele problemlos in ihrer Freizeit verfolgen. Dürfen aber Schichtarbeiter, die währenddessen arbeiten müssen, Fußball gucken?

Fachanwalt Bredereck: Solange der Arbeitgeber dies erlaubt, ist es in Ordnung, aber auch nur in dem Umfang, den der Arbeitgeber vorgibt. Sollte man sich diesbezüglich nicht sicher sein, sollte man auf jeden fall nachfragen.

Max Renger: Gehen wir mal davon aus, dass der Arbeitgeber das Fußballgucken nicht erlaubt hat. Darf ich dann wenigstens die Liveticker per Handy oder PC verfolgen?

Fachanwalt Bredereck: Man sollte sich dessen bewusst sein, dass man in der Zeit in der man das Spiel verfolgt, nicht arbeitet. Gibt man vor zu arbeiten, so begeht man streng genommen einen Arbeitszeitbetrug, der arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur fristlosen Kündigung mit sich zieht.

Max Renger: Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Fachanwalt Bredereck: In den meisten Arbeitsverhältnissen wird das wahrscheinlich gar kein Thema sein, da viele Arbeitgeber ein Auge zudrücken. Abgesehen davon, bemerkt man es oft nicht einmal. Das ganze ist natürlich anders zu beurteilen, wenn das Arbeitsverhältnis von einer gewissen Spannung geprägt ist. Solche Ereignisse nutzt der Arbeitgeber dann, um den Arbeitnehmer loszuwerden.

Max Renger: Also sollte man vorsichtig sein?

Fachanwalt Bredereck: Im Zweifel ist immer Vorsicht geboten.

Max Renger: Ich kann mir auch vorstellen, dass der eine oder andere Arbeitnehmer am nächsten Morgen noch sehr übermüdet vom nächtlichen Fußballgucken ist und sich deshalb krankschreiben lässt. Wie kann der Arbeitgeber hiergegen vorgehen?

Fachanwalt Bredereck: In der Regel kann er dagegen gar nicht vorgehen. Es stinkt natürlich zum Himmel, aber kann der Arbeitnehmer eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegen, kann der Arbeitgeber nichts dagegen tun. Natürlich macht sich der Arbeitnehmer durch solch ein Verhalten nicht sonderlich beliebt.

Max Renger: Kann der Arbeitgeber wirklich nichts tun?

Fachanwalt Bredereck: Er kann dem Arbeitnehmer den Medizinischen Dienst der Krankenkasse auf den Hals hetzen. Doch selbst wenn dieser den Arbeitnehmer gesund schreibt, würde dieser einfach zum nächsten Arzt gehen und sich krankschreiben lassen.

Max Renger: Also kann der Arbeitgeber nichts machen, wenn sich der Arbeitnehmer während der Fußballweltmeisterschaft krankschreiben lässt.

Fachanwalt Bredereck: So einfach ist das Ganze dann doch nicht. Vor allem wenn der Arbeitnehmer das Fußballspiel in der Öffentlichkeit gucken will und deshalb das Haus verlässt, wird der Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung empfindlich erschüttert.

Max Renger: Der Arbeitgeber wird das doch bestimmt nicht mitbekommen.

Fachanwalt Bredereck: Da wäre ich mir mal nicht so sicher. Es gibt Arbeitgeber, die Detektive mit der Beschattung des Arbeitnehmers beauftragen, um einen Kündigungsgrund zu finden.

Max Renger: Und was ist mit denen, die einfach aus Versehen verschlafen?

Fachanwalt Bredereck: In solch einem Fall riskiert der Arbeitnehmer eine Abmahnung und bei Wiederholung eine Kündigung.

Max Renger: Es gibt keinen WM-Bonus?

Fachanwalt Bredereck: Nein, das deutsche Arbeitsrecht ist in dieser Hinsicht sehr streng. Dieses Argument sollte man auch nicht vor dem Richter vortragen, das würde nach hinten losgehen. Der Arbeitnehmer weist dadurch ein Fehlverständnis von der Bedeutung seiner Arbeit in der Leistungsgesellschaft vor.

Max Renger: Was sollen Arbeitnehmer also machen?

Fachanwalt Bredereck:
Die Zähne zusammenbeißen und arbeiten oder nach Argentinien auswandern. Dort ist es eher an der Tagesordnung, dass man bei Fußballereignissen nicht zur Arbeit erscheint. So habe ich es jedenfalls mitbekommen.

13.6.2014

Ein Beitrag von Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck, Berlin und Essen.

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